Die Idee
Bewegung verändert.
Seit dem Anwerbeabkommen vor 50 Jahren findet zwischen Vorarlberg und Türkei eine intensive Bewegung von Menschen mit unterschiedlichen Motiven entlang der sogenannten Gastarbeiter_innenstrecke statt.
Als Gastarbeiter_innen, welche im Rotationszyklus zwischen den beiden Ländern pendelten.
Als Familienmitglieder, welche Großeltern, Eltern, Geschwister oder Kinder wieder sehen.
Als Touristen_innen, welche Freunde_innen aus dem anderen Land besuchen.
Als Fahrende, welche Waren, Geld, Impressionen und Ideen austauschen.
In der Forschung „Entlang der Vergangenheit in die Gegenwart“ verstehen wir die Gastarbeiter_innenroute als eine soziale Konstruktion, welche nur aufgrund sozio-politischer Umstände entstand und weiterhin existiert. Oftmals steht das Abreisen oder Ankommen der Mobilität im Vordergrund, jedoch im Rahmen dieser biographischen Rekonstruktion der Gastarbeiter_innenroute liegt der Fokus auf der Bewegung selbst. Menschen schaffen durch ihre Bewegung Raum und geben aufgrund ihren spezifischen Geschichten und Gefühle diesem Raum Charakter. Der mobile Raum wird zu einem Ort anhand der Menschen, die sich in ihm und mit ihm bewegen. (vgl. Gupta/ Ferguson 1992; Guarnizo/ Smith 1998; Massey 2005; Cresswell/ Uteng 2008; Cresswell/ Merriman2011; Salazar/ Smart 2011) Besonders im Rahmen der Gastarbeiter_innenroute ist dabei ein Mangel an Aufarbeitung dieser Mobilitätswege und –erfahrungen im wissenschaftlichen Rahmen zu vermerken. Dementsprechend ist es für uns zentral diesen Fokus der Bewegung zu nutzen um einen essentiellen Gesichtspunkt in der Beziehung Vorarlberg und Türkei zu erarbeiten. Was, wie und wer bewegt sich? Warum bewegen sich jene Menschen in diesem spezifischen Rahmen? Welche Erwartungshaltungen, Emotionen, Erinnerungen bewegen sich im Prozess mit? Diese Fragen stellen sich einleitend für den Mobilitätsprozess auf der Strecke. Durch die Sammlung von Eindrücken, Erinnerungen und Gefühlen bezüglich der bereisten Route kann dieses Konstrukt von Asphalt, Blech und Motoren als pulsierendes Leben der grenzüberschreitenden Geschichtsschreibung re-definiert werden.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen